Das Lachen des schwebenden Menschen
Das Lachen des schwebenden Menschen
„Nun mal sachte, Buddha — du musst uns nicht gleich verprügeln!“
Ich weiß nicht, wer es zuerst sagte — ob der Gedanke, die Reaktion oder der Körper selbst den Satz aussprach.
Doch ich weiß, was unmittelbar danach geschah.
Ein plötzliches, wunderbares Lachen.
Ein Lachen, das nicht aus Heiterkeit kam, sondern aus dem Schwebezustand des Daseins.
Lachen ist keine Antwort.
Es ist die Annahme, dass es keiner Antwort bedarf.
Und wenn es erscheint,
ist es zugleich Erleichterung und Staunen.
Klarheit und Umkehr zugleich.
Aus wie vielen Blickwinkeln kann man dieses Lachen betrachten?
1. Lachen als zerbrochenes Absolutes
Der Satz „Ich setze mich nicht“ kann wie eine endgültige Erklärung klingen.
Doch das Lachen lässt nichts endgültig sein.
Wenn du über etwas nicht lachen kannst, hast du es zum Gott gemacht.
Wenn du über dich selbst nicht lachen kannst, dann hast du zugelassen, dass dein Selbst zum Götzen wird.
Das Lachen hebt die Wahrheit nicht auf.
Es hebt den feierlichen Ernst der Wahrheit auf.
Darum nimmt es dem Absoluten den Druck.
Nicht weil es das Absolute leugnet,
sondern weil es nicht zulässt, dass es in einer einzigen Form erstarrt.
2. Lachen als theologische Rechtfertigung
Ein Heiliger sagte einmal:
„Wenn es im Paradies keinen Raum für Lachen gibt, dann ist es kein Paradies.“
Lachen ist keine Sünde.
Lachen ist der Beweis, dass das Dasein kein Gefängnis des Sinns, sondern ein lebendiger Ort ist.
In der Theologie lacht der Dämon niemals.
Nur der Mensch lacht.
Denn das Lachen beweist, dass das Leben nicht mechanisch ist.
Es ist weder unausweichlich noch verurteilt.
Es kann zu einer offenen Möglichkeit werden.
Wenn jemand angesichts der Schwere des Daseins lacht,
leugnet er sie nicht.
Er nimmt sie so vollständig an, dass nichts mehr auf ihm lasten kann.
3. Lachen als anthropologischer Aufstand
Der schwebende Mensch lacht nicht, weil er sich sicher fühlt.
Er lacht, weil er weiß, dass nichts sicher ist.
- Die alten Griechen nahmen das Lachen in die Mysterien auf.
- Die Stoiker lehrten, wer über die Schwere des Lebens lache, habe sie bereits überwunden.
- Diogenes war weise, weil er die Ernsthaften verspottete.
Der Mensch kann nicht in dauerndem Ernst leben.
Er wird zerbrechen.
Seine Freiheit besteht darin, lachen zu können.
Seinen eigenen Platz in der Welt anzusehen und ihn ein wenig leichter zu machen.
Das Lachen ist ein Aufstand gegen die Schwerkraft.
4. Lachen als ontologische Gerechtigkeit
Wäre das Lachen überflüssig, hätte die Natur es nicht so notwendig gemacht.
Nichts im Universum hat ohne irgendeine Form des Lachens überlebt.
Und wenn das Lachen in einem Augenblick übermäßiger Spannung kommt,
dann kehrt etwas in sein Gleichgewicht zurück.
Der Schwebezustand, den du empfandest, verschwindet nicht.
Aber er lastet nicht mehr auf dir.
Das Lachen verändert die Wirklichkeit nicht.
Es verändert die Art, wie du sie trägst.
Darum ist das Lachen gerecht.
Es gehört niemandem.
Es hat keinen Herrn.
Es geschieht einfach.
Und wer es geschehen lässt,
begreift, dass man mit dem Dasein nur eines tun kann: es leben.
5. Lachen als letztes Schweigen
Am Ende braucht das Lachen keine Erklärung.
Wie die Schönheit ist es da, weil es nicht anders kann.
Das Lachen sucht keine Gründe für sein Dasein.
Es kommt einfach, wenn das Leben zu einer Offenbarung gelangt, die es nicht erträgt, stumm zu bleiben.
Und in diesem Augenblick lacht der schwebende Mensch.
Nicht weil er Antworten gefunden hat.
Sondern weil er verstanden hat, dass keine weiteren nötig sind.
„Nun mal sachte, Buddha — du musst uns nicht gleich verprügeln!“
Und dann lachst du.
Du lachst, weil das Lachen die einzig logische Antwort auf das Dasein ist.
Du lachst, weil das Leben nicht nur aus Ernst bestehen kann.
Du lachst, weil es, wenn du nicht lachst, bedeutet, dass du es ernster genommen hast als nötig.
Und am Ende lachst du einfach, weil du lebst.